Nachhaltigkeit – die Spurensuche führt erst einmal in den Wald

Am Anfang war der Wald, dann wurde es nachhaltig

Nachhaltigkeit – was will uns das Wort eigentlich sagen ?

In diesem Blog dreht es sich um Nachhaltigkeit – ich verwende das Wort und viele andere auch. In den Medien taucht es immer häufiger auf.
Aber was genau ist Nachhaltigkeit eigentlich? Gefühlt ist gerade alles nachhaltig was neu und hip ist. Passt das überhaupt zu der Bedeutung des Wortes?

Der Duden sagt dazu:

Nachhaltigkeit, die – ein feminines Substantiv
nachhaltig – Adjektiv.
Bedeutung:
1) längere Zeit anhaltenden Wirkung
2a) Forstwirtschaftliches Prinzip
2b) Ökologisches Prinzip

Aha, also bezeichnet Nachhaltigkeit etwas, dessen Wirkung lange anhalten soll. Verhalte ich mich nachhaltig – soll die Wirkung noch lange spürbar sein. Ok, aber eigentlich vermisse ich die positive Wertung. Streng genommen, könnte nach dieser Erklärung auch die Umweltverschmutzung nachhaltig sein. Sie wirkt ja auch lange nach, wie wir beim Plastikmüll sehen. Schauen wir mal bei der Initiative Mikroplastik des Frauenhofer Instituts nach, wie „nachhaltig“ eine Plastikflasche ist. Die Forscher ermittelten, dass so eine Plastikflasche nach rund 450 Jahren zerfällt. Also, das kann nicht gemeint sein, bei der Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit – woher der Begriff überhaupt herkommt

Vielleicht hilft bei dem Problem ja die weiteren Bedeutungen aus dem Duden.
Nachhaltigkeit beschreibt demnach zwei konkrete Richtlinien, einmal in der Forstwirtschaft und in der Ökologie.
Die Website Forstwirtschaft in Deutschland gibt Auskunft. Über eine nachhaltige Forstwirtschaft schrieb erstmals Hans Carl von Carlowitz in seinem Werk der Silvicultura oeconomica von 1713. Er forderte darin, dass nicht mehr Holz gefällt werden darf, als nachwächst.
Eigentlich logisch! Diese Probleme gab es also auch schon im 18. Jahrhundert. Von Carlowitz war Vize-Berghauptmann. Damals in Preussen war das so etwas, wie heute der stellvertretende Betriebsleiter eines großen Industrieunternehmens. Eines der wichtigsten Rohstoffe zu der Zeit war Holz. Er erlebte mit, die dieser Rohstoff durch Raubbau und Umweltkatastrophen knapp wurde. Dadurch war die Metallverarbeitung in Preussen gefährdet und vielleicht auch sein Arbeitsplatz. Er schrieb also sein Buch und „erfand“ darin die Nachhaltigkeit.

Die Ökologen dehnen das nachhaltige Prinzip von Carlowitz auf alle Rohstoffe an. So dass in der Ökologie, das nachhaltige Prinzip lautet: verbrauche nicht mehr, als nachwachsen kann, sich regenerieren oder in der Zukunft wieder bereit gestellt werden kann.

Der Wald macht Nachhaltigkeit sofort sichtbar.

Nachhaltigkeit, heißt nicht auf Kredit leben

So bedeutet also Nachhaltigkeit, dass wir Menschen nicht mehr verbrauchen, als die Erde bereit stellen kann. Nachhaltig leben heißt, nicht den Wohlstand auf Kredit der nächsten Generationen erkaufen:

  • Global Footprint misst mit dem ökologischen Fußabdruck, wie viele Ressourcen oder Rohstoffe der moderne Lebensstil verbraucht. Sie errechnen wie viel die gesamte Menschheit pro Jahr verbraucht und ab wann wir eigentlich schon die Reserven vom nächsten Jahr verbrauchen. Dieser weltweite Earthovershot Day war 2018 am: 01. August – das heißt, dass wir alle zusammen 1 1/2 Erden verbraucht haben. Bislang rückte dieser Tag jedes Jahr ein Stück weiter vor, in Richtung Frühsommer! Auf ihrer Website kannst du testen, an welchem Tag dein persönlicher Earth Overshot Day ist.
  • Allerdings lebst du in der heutigen Zeit und kannst nur bedingt den Rohstoffverbrauch selbst beeinflussen – selbst als Vegetarier und oft mit den Öffentlichen unterwegs verbrauche ich noch 1,2 Erden, aber meinen persönlicher Earthovershot Day kommt erst im November.

Nachhaltigkeit, eher ein Konzept als ein Produkt

Nachhaltigkeit geht eigentlich nur gemeinsam. Wenn jeder ein bisschen die Ressourcen schont, bleiben die Werte länger erhalten. Es gibt daher viele nachhaltige Konzepte die uns dabei helfen sollen:

  • Theoretische Modelle für das Konzept Nachhaltigkeit gibt es mehrere. Eines der bekannten ist das 3-Säulen-Modell, das zwischen Umwelt, Wirtschaft und sozialen Einflüssen unterscheidet. Diese Modelle erklären was und wie wir nachhaltig handeln sollen.
  • Praktischer geht das Cradle-to-Cradle Modell die Nachhaltigkeit an. Übersetzt heißt es Wiege zu Wiege und beschreibt den Kreislauf der Materialien. Dabei sollen die Materialien aus denen Gebrauchsgegenstände bestehen wieder verwertbar sein. Zum Beispiel kann aus dem T-Shirt Komposterde entstehen, die wiederum neue Bauwollpflanzen düngt. Oder der Computer kann wieder in seine Einzelteile zerlegt werden, um daraus die Rohstoffe für neue Elektrogeräte zu gewinnen.

Ein Produkt kann dann nachhaltig sein, wenn es so hergestellt wurde, dass dabei möglichst wenig Rohstoffe verbraucht wurden – oder die Materialien sind wieder verwertbar. Also kann die Werbung durchaus von einer nachhaltigen Trinkflasche sprechen. Gemeint ist aber die Art der Herstellung oder wie du das Produkt verwendest. Kannst du es lange nutzen und am Ende recyceln.

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